Ferner, denn je

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Und eines Tages werden wir uns wiedersehen.
Es werden etliche Jahre vergehen und wir werden gealtert sein.

Ich werde dein faltiges Gesicht ansehen und mich fragen, ob deine Narben schon geheilt sind. Meine sind es bis dahin. Lange wollten sie nicht zuheilen.
Weil ich sie nicht zuheilen ließ.

Aber dann ist es ruhiger um uns und stiller. Der Sturm, der uns damals aufwühlte, würde sich legen. Die verzerrten Farben würden klarer werden, die deformierten Gestalten verschwinden.

Die ständige Ohnmacht und der uns treibende Rausch wäre nur noch trübe Erinnerung. Ferner, als jemals.

Und dann stehen wir voreinander. Eine kurze Weile. Vielleicht wechseln wir ein paar Worte. Vielleicht sprechen wir über belangloses. Es wäre gezwungen, ungewollt.
Wir wären nur kleine Akteure eines Theaterstücks,
nur ein paar Lügner in einer großen Welt.

Und dann würde alles seinen Lauf nehmen. Wir würden uns verabschieden. Vielleicht noch ein paar unverbindlichen floskeln wechseln.
Und uns dann, dann würden wir uns nie wieder sehen.

M.

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