Thoughts: Ich bin alleine aber nicht einsam

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Kurzes Vorwort: Dieser Artikel wurde vor 2 Jahren in einem Online-Magazin veröffentlicht, zu einer Zeit, als ich Single war 😉 Vielleicht helfen dir diese Worte,
ermutigen oder motivieren dich. Das ist die Hauptsache fĂŒr uns!

Das Alleinsein.

Viele von uns wollen es nicht, können es nicht, umgehen es. Viele genießen, lieben es oder hassen es. Das Alleinsein. Mir fĂ€llt auf, dass das Wort allein einen leicht negativen Nachklang mit sich bringt. „Ich reise allein.“ „Ich bin Single.“ Es ist, als mĂŒsse ich mich stĂ€ndig dafĂŒr rechtfertigen.

„Mach dir keine Sorgen, der Richtige kommt schon noch“, höre ich. Oder: „Ich kann absolut nicht verstehen, warum du alleine bist.“ Meistens folgen dann noch ein paar AufzĂ€hlungen meines Lebenslaufs, tabellarisch natĂŒrlich, nur um sicher zu gehen, dass ich ja nichts vergessen habe. „Du hast doch studiert und deine Sprachkenntnisse erst. Wundert mich eigentlich, dass du immer noch allein bist.“

Wie immer ignoriere ich es. Genauso wie die stĂ€ndigen Verkupplungsversuche meiner jĂŒdischen Verwandtschaft. Wie der Zufall es so will, klingelt dann auch noch mein angeblicher „Traummann“ an der TĂŒr. Welch eine Überraschung! „Er kommt aus einer guten Familie“, versichert meine Tante hocherfreut. „Seine Eltern sind Akademiker, er studiert Medizin und er ist auch Single. Ganz toll.“

Es ist, als wĂŒrden sie das Alleinsein als eine Krankheit diagnostizieren, bei der sie krampfhaft und verzweifelt versuchen, das Wunderheilmittel zu finden.

Ja, ganz toll. Ich kann mich vor Begeisterung kaum halten. Dass er ewiger Junggeselle ist und mit dreißig noch bei seinen Eltern lebt, wĂ€re vielleicht auch ein kleines, erwĂ€hnenswertes Detail. Es ist, als wĂŒrden sie das Alleinsein als eine Krankheit diagnostizieren, bei der sie krampfhaft und verzweifelt versuchen, das Wunderheilmittel zu finden.

Dass ich das GesprĂ€chsthema Nummer 1 bin, weiß ich. Mit Mitte zwanzig noch kein Mann in Sicht, keine Familie. Und dann auch noch diese WG, nur von Chaoten umgeben. Schwierig, in so einem Umfeld erwachsen zu werden.

Addiert man alle Worte, alle Vorurteile zusammen, ergibt jede Parabel, jede Gleichung immer dasselbe: alleine = einsam. Sofort hat man eine Vorstellung von einer verletzlichen, hilflosen, verlorenen Singlefrau. Klammernd und verzweifelt hangelt sie sich von Mann zu Mann und von Beziehung zu Beziehung auf der Suche nach dem wahren GlĂŒck, der Suche nach der einen, großen Liebe.

In der Nacht verwandelt sich ihr Gedankenkarussell in Europas grĂ¶ĂŸten VergnĂŒgungspark und sie analysiert jedes Indiz, weswegen sich ihr Date bis jetzt noch nicht gemeldet hat, bis ins Detail.

Aus Frust und Unlust hat sie bereits die zehnte DiĂ€t in Folge ausprobiert, das Fitnessstudio gekĂŒndigt, die Hoffnung aufgegeben und ist nach unzĂ€hligen Dates wieder in tiefer Trauer versunken. In der Nacht verwandelt sich ihr Gedankenkarussell in Europas grĂ¶ĂŸten VergnĂŒgungspark und sie analysiert jedes Indiz, weswegen sich ihr Date bis jetzt noch nicht gemeldet hat, bis ins Detail. Immerhin sind schon sieben Stunden vergangen.

Vielleicht hatte er einen Unfall, weil das Auto schon das letzte Mal nicht angesprungen ist. Vielleicht wurde er gekĂŒndigt und ist obdachlos, weil er neulich von Problemen auf der Arbeit erzĂ€hlt hatte. Mitleidige Blicke, wenn sie abends ohne Begleitung kommt, tröstende Worte, wenn sie die Party allein verlĂ€sst. Valentinstag ist fĂŒr sie die reinste Katastrophe.

Zwischen Liebesdramen und zu viel Wein intus plant sie bereits ihre Beerdigung. Sie ist deprimiert und einsam.

Sie ist alleine, weil sie alleine sein möchte. 


Aber das ist nur unser Bild von ihr. Vielleicht ist sie es gar nicht, vielleicht geht es ihr wie mir. Sie ist alleine, weil sie alleine sein möchte. Dabei ist sie keineswegs ein EinzelgĂ€nger, sie liebt und genießt die Gesellschaft – aber auch die Gesellschaft mit sich selbst. Auf die Party ist sie bewusst ohne Begleitung gekommen, weil sie frei und losgelöst ist. Vor allem von Erwartungen, AnsprĂŒchen und Zweifeln, sich selbst und anderen gegenĂŒber. Abends schaut sie sich keine traurigen Liebestragödien an und versinkt auch nicht in Selbstmitleid, sondern liebt es, Netflix-Serien in Dauerschleife zu sehen und ist dabei so emotional, dass es fĂŒr ihr Umfeld unzumutbar wĂ€re.

 

Sie liebt es, in den Tag hineinzuleben.

Sie liebt es, in den Tag hineinzuleben. Sie beschließt, spontan nach Barcelona zu fliegen, geht schick essen – und auch wenn sie nur von Paaren umgeben ist, genießt sie den Ausblick der Stadt und stĂ¶ĂŸt mit sich selbst an. Das macht ihr nichts aus. Sie freut sich nach einem exzessiven Wochenende morgens am KĂŒchenfenster zu sitzen und mit einer Tasse Kaffee die Stille zu genießen. Und das ohne Verzweiflung, ohne Trauer und Einsamkeit und dem ganzen drum und dran. Sie ruht in sich. Und so melancholisch das auch klingen mag, ich versteh sie.

„Aber warum nur?“, fragen mich dann alle erschĂŒttert. Immer dieselben verwunderten Gesichter. „Ich könnte mir das nie vorstellen. So ganz alleine.“ Ich habe aufgehört, es ihnen zu erklĂ€ren. Weil sie dieses GefĂŒhl nie nachempfunden haben und mich nie ganz verstehen werden. Vermutlich, weil sie das Alleinsein als einen notgedrungenen Zustand, eine vorĂŒbergehende Situation, eine kurze, ĂŒberwindbare Phase ansehen.

Sie haben es nie ausprobiert, nie zugelassen. Aus Angst vor dem Kontrollverlust, der Befindlichkeit oder den Vorurteilen von außen. Oder vor der Vorstellung, den Gedanken selbst. Angst, sich in dem Gestrick zu verlieren und den Ausgang des Gedankenkarussells nicht mehr zu finden. Dabei ist der Ausgang sehr leicht zu finden, wenn man sich zum Beispiel eine Karte besorgt und keinen VergnĂŒgungspark daraus baut. Ein Bauunternehmen zu engagieren wĂ€re nicht schlecht. Um den VergnĂŒgungspark abzureißen. (Kein Berliner Bauunternehmen vielleicht 
)

Nur bedeutet ein Partner nicht, dass auch die Summe der KrĂ€fte doppelt so hoch ist. 

 

Wir selbst sind die grĂ¶ĂŸten Magier, hypnotisieren unser Bewusstsein tĂ€glich und verfallen dabei so sehr in Ekstase, dass wir inzwischen Wahrheit, Klarheit und Illusion nicht mehr unterscheiden können. Zum Beispiel, dass unser GlĂŒck von der Liebe abhĂ€ngt und wir alleine schwĂ€cher sind. Nur bedeutet ein Partner nicht, dass auch die Summe der KrĂ€fte doppelt so hoch ist. Und erst recht bedeutet es nicht, dass wir unsterblich dadurch werden und SuperkrĂ€fte entwickeln können. Denn hier geht die Rechnung nicht auf.

Ein Partner kann uns zwar sehr viel geben, uns aber nicht ersetzen. Er kann uns erfĂŒllen aber unseren inneren Mangel nicht begleichen. Denn wenn wir eine Partnerschaft eingehen, sind wir immer noch der gleiche Charakter, mit unseren MĂ€ngeln und unseren SchwĂ€chen. Statt stĂ€ndig zwanghaft nach dem GlĂŒck zu streben, sollten wir entspannen, den VergnĂŒgungspark ausmisten und ĂŒber eine mögliche Umschulung nachdenken.

Und nichts ist schlimmer als einsam in der Zweisamkeit zu sein.

 

Unsere MĂ€ngel, unsere tiefsten Ängste und Zweifel können nur wir allein bewĂ€ltigen. Die Verantwortung auf jemanden anderes zu ĂŒbertragen ist unfair dem Partner gegenĂŒber und auch sich selbst. Und das GefĂŒhl von Angst, Leere und vor allem der Einsamkeit kann auch in einer falschen Partnerschaft auftreten – und nichts ist schlimmer als einsam in der Zweisamkeit zu sein. Bevor wir also jemanden lieben, sollten wir zunĂ€chst uns selbst daten.

Und ja, der Verdacht auf Schizophrenie ist eindeutig ausgeschlossen. Viel Spaß dabei!
M.

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Lass uns austauschen, wie ergeht es Dir? Bist Du glĂŒcklicher Single und kennst dieses GefĂŒhl glĂŒcklich alleine zu sein oder hast Du das GefĂŒhl Dich stĂ€ndig rechtfertigen zu mĂŒssen? Schreib es uns gerne in die Kommentare und wir philosophieren gemeinsam darĂŒber 😉

 

 

 

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