Thoughts: Ein paar Gedanken aus Vietnam


Endlich war es soweit.

Fern von Sorgen, Alltag verabschiedete ich mich von Berlin. Keine Flucht aber eine Auszeit. Als das Flugzeug abhob war es als würde die Welt tief einatmen und für einen Moment still stehen.

Dort oben wo die Stadt plötzlich in Miniatur zu sehen war, dachte ich: Der perfekte Ort, der Moment um mein Buch zu schreiben. Ich würde genau wie damals an den Reisterassen sitzen und durchflutet von Ideen und Inspiration Kapitel für Kapitel niederschreiben. Ich würde stolz mein fertiges Buch in den Händen halten und den Flug nach Hause antreten. Nur war dem nicht so. Ein Tag nach dem ich ankam, gab mein Laptop den Geist auf und verließ mich. Ohne eine einzige Erklärung. Ich flehte ihn an zu bleiben aber er streikte. Ohne wenn und aber. Das wars mit uns. Nach so zwei innigen Jahren. Und nun? Wäre mir diese Situation vor drei Jahren passiert wäre ich vermutlich in Panik ausgebrochen. Mein Urlaub? Definitiv ruiniert. Ich setzte mich und dachte nach. Ruhig. Meine lauten Stimmen im Hintergrund, versuchte ich auszublenden. Auf die Emotionen, nicht aufzuspringen. In Hanoi verabschiedete ich mich von meinem Laptop.


„Wir werden uns in 2-3 Wochen wiedersehen,
wenn du wieder bereit für mich bist.“

Und dann machte ich mich in den Norden in die Natur. Angekommen blickte ich über das Grün, das von der Sonne noch satter wirkte. Kinder spielten fangen. Sie spielten in Pfützen, den der warme Regen gestern hinterließ. Ich nahm meinen Kaffee in die Hand. Er war noch heiß und schmeckte süßlich-bitter. Was ich vorhatte waren Glücksmomente zu rekonstruieren. Und das haargenau. Das funktioniert nicht, denn sie sind einmalig und würden mit der Zeit ihre Magie verlieren. Und so sehr wir es wollen, würde sich jedes Erlebnis trotzdem anders abspielen. Schlechter, besser oder einfach anders. Das Leben lehrt uns immer wieder Dinge geschehen zu lassen und diese sind fern von unserer Kontrolle. Da war sie also wieder: Meine Erwartung. Etwas was uns so oft im weg steht. Die Erwartung ein perfektes Setting zu erschaffen und die Erwartung an mich in diesem Setting zu funktionieren und mein Buch fertig zu schreiben.


So verabschiedete ich mich auch von ihr und schickte sie zu meinem Laptop für ein paar Wochen ordentliche Bedenkzeit und Erholung. Ich brauche sie nicht.

Ich blickte zu den Kindern. Würde ich hier mit meinem Lap Top sitzen würde ich das Kinderlachen vermutlich nie so stark lachen hören können. Würde ich gerade mit dem Tippen beschäftigt sein, würde ich den Geruch des frischen Kaffee nicht so stark wahrnehmen. Statt in mein Schreiben versank ich in den Moment meines Umfelds. Was anders war, als ich mir vorgestellt hatte aber eine andere Besonderheit mit sich brachte. Reich an Idylle, reich an Ruhe. Und plötzlich erschien mir der Abschied meines Laptops wie der Blick auf die Stadt aus dem Flugzeug. Winzig und in Miniaturgröße. Unbedeutend. Ach Laptop. Du und ich. Wir werden schon wieder zueinanderfinden. Aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt. Jetzt ist der Zeitpunkt, um zu genießen und loszulassen: Vor allem von Zwängen und Erwartungen. Und auch wenn ich diese Zeilen in mein Notizbuch schreibe, ganz oldschool, von Hand. (Das ich das nicht verlernt habe..) hat es alles seine Richtigkeit. Genauso richtig wie auch das Leben verläuft.


Genauso richtig wie auch das Leben verläuft.

M.

Habt ihr auch schon mal Glück im Unglück gehabt?


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