Fiction: Blüte der Zeit Kapitel II

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Prokrastination: In einer Traumwelt gefangen zu sein, die uns daran hindert, unsere Träume in ihrer Echtheit zu leben. Mein bisheriges Leben war ein stetiger Monochord-Rhythmus, zwei Akkorde, die sich Tag und Nacht wiederholen. Immer denke ich daran, wie das Lied weitergehen würde. Als ich mich an diesem Frühlingsnachmittag umdrehte, um sie anzusehen, hörte ich die Saiten brechen, keine Musik mehr. Nichts mehr. Mein Körper wurde völlig taub. 

“Ich spürte eine Pause in ihrem Kopf, in dieser Sekunde dachte ich, wir wurden in das gleiche Universum geschickt.

Gut, dass ich mich hinsetzte, hätte ich gestanden, hätte ich wie eine Ballonpuppe ausgesehen, die wie vor den Autohäusern herum wedelten, als hätte ich einen Anfall oder wäre betrunken. Mein Freund stellte uns vor: “Maria, das ist Joel. Joel, das ist Maria:” – Ich stand einfach da und sah sie an. Es könnten vielleicht gute drei Sekunden gewesen wären. Ich beherrschte all meine Tapferkeit und mentale Kraft, nur um lächeln zu können. Zumindest das, damit sie nicht denkt, ich sei von allen guten Geistern verlassen. Sie kicherte mich an. Ich hatte nur gehofft, dass sie mich nicht allzu seltsam finden würde. “Gib mir doch bloß eine Pause, mein Herz kann mit so viel nicht umgehen.” – Das ist es, was ich dachte. Aber inmitten all dessen, auf ihre Augen starrte, konnte ich sehen, dass etwas vor sich ging. Für eine Sekunde hielt sie auch an. Ich spürte eine Pause in ihrem Kopf, in dieser Sekunde dachte ich, wir wurden in das gleiche Universum geschickt. Sie konnte kein Portugiesisch sprechen, was für mich in Ordnung war. Viele meiner Freunde waren genauso neugierig, mit ihr zu reden. Es war nicht üblich, neues Blut an unserer Gruppe zu sehen, besonders an einer so schönen. Ich war unruhig, die Chance zu haben, mit ihr allein zu sein.

“Ich verstehe jetzt, dass wir das, was unser Herz uns sagt, ergreifen müssen, auch wenn es anderen einen Moment des Schmerzes bereitet.

Ich wartete immer auf eine Erlaubnis, damit es geschehen konnte. Ich war in meinem Leben immer zu nett, und ich war stolz darauf, in gewisser Weise. Niemand hat mir je beigebracht, Menschen so sehr zu respektieren, dass ich es selbst gelernt habe. Ich hatte und habe einen enormen Hass auf das Leiden, meinen, aber vor allem in anderen. Ich verstehe jetzt, dass wir das, was unser Herz uns sagt, ergreifen müssen, auch wenn es anderen einen Moment des Schmerzes bereitet. Im Großen und Ganzen könnten wir jedem einen Gefallen tun, eine Lektion erteilen, ein Beispiel geben. Wie auch immer, die Chance eintrifft. Nicht von mir, sondern von ihr. Ich lehnte mich an einen alten Van, ein wenig abseits der Gruppe, dachte nur an das
“Was wäre wenn” und schlug mich durch die Kälte. Sie kam zu mir. In diesem Moment war ich nur verwirrt über das Warum.

So viele andere versuchten, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Warum ich?

So viele andere versuchten, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Warum ich? Sie fragte mich, warum ich so still war. Ich war gezwungen, ehrlich zu ihr zu sein, “Ich denke wohl zu viel, am Ende bin ich nur eins mit der Stille,” antworte ich. – Sie mochte diese Worte… – “Hast du jemals daran gedacht, diese Gedanken aufzuschreiben? Ich wette, du könntest inzwischen ein Buch zusammen haben.” – fuhr sie fort. Tatsächlich habe ich das viele Jahre lang getan, im Geheimen, niemand wusste das, aber ihr habe ich einfach gesagt. – “Das ist es, was ich tue. Über das Buch, nun, ich weiß nicht, ob Jemand interessiert wäre, es je zu lesen.” – Alles um uns herum war zu diesem Zeitpunkt verschwommen. Der Ton war langsamer geworden. – “Ich würde es gerne lesen.” – Sagte sie. Sie sah über meine traurige Haut hinaus, hörte meine Gedanken, obwohl ich kein Wort von ihnen sagte. Wie konnte sie das tun? Die Möwen schwirrten wieder um uns, kreischten lauter im Kreis um unsere Köpfe. Ich wünschte, ich hätte ein Schiff, als ich fortging. Sie würden mir dennoch folgen und auch wenn, ich hätte keine Segel, auf das sie sich setzen konnten. Es ist bekannt, dass sie Stürme spüren können, vielleicht war es das.
Ich bin jetzt auf einem Land von anderer Schönheit, nicht so hell und lebendig, sondern genauso faszinierend.

Lies das 1. Kapitel von Blüte der Zeit

Read the 2. Chapter of Spring of life in English

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