Glück: Unsere neue Ware

Wir leben in einer Gesellschaft, die ständig makellos sein möchte. Eine Gesellschaft, die nie satt an Perfektion werden kann. Immer wollen wir uns verbessern, noch mehr Selbstoptimierung betreiben, sportlicher, glücklicher und erfüllter werden. Es geht immer höher, weiter, schneller. Besser sowieso. Kaum sind wir angekommen, geht es direkt weiter.
Nie genug. Mehr Erfolg, mehr Geld, mehr Glück.

Ein ganz schönes Beispiel findest du in diesem Video:

Wir wollen Glück kaufen. Die Pille für die Perfektion schlucken. Und jeder verspricht sie uns, an jeder Straßenecke. Alles ist käuflich, alles erhältlich. Ein Wochenendeseminar für die Selbstfindung, ein 15 Stunden Onlinekurs den Traumpartner zu finden, Tabletten für die perfekte Figur. Für dich, dein Kind, den Hund. Alles maßgeschneidert, für jedes Gemüt,
jede Vorliebe. Es kann aber auch ein Auto sein, das die Freiheit verspricht oder eine durchzechte Clubnacht, bei der man alles vergisst. Und daran ist nichts verwerfliches, vielleicht hilft es uns hier und da.

Was wir jedoch vergessen ist, dass die eigentliche Moral hinter dem „Glücklich sein“ in einem Wahn der Sucht und der Konkurrenz verloren geht. Statt an den eigentlichen Kern zu gehen, übertünchen wir es und entscheiden wir uns für die kurze Befriedigung, den schnellen Glücksmoment. So entsteht ein Abhängigkeitsverhältnis, denn das Stadium der echten Erfüllung erreichen wir so nie. Statt der versprochenen Freiheit haben wir nur mehr Fragen, fühlen uns nur mehr in der Masse verloren. Staut sich das an, bricht es aus wie ein Vulkan. So stark, bis wir ausbrennen.

Wir definieren uns nun über Glück und machen dies zu unserem persönlichen Statussymbol. Statt aus Erfüllung zu handeln, handeln wir aus dem Mangel heraus, wählen Angst statt Liebe. Es die Angst verurteilt zu werden, die Angst nicht mithalten zu können, zu versagen.

Was wir aber eigentlich wollen ist: Fühlen. Wir wollen tiefe Liebe und Erfüllung spüren.
Wir streben nach Echtheit und Authentizität.
Nur ist der Weg der Erfüllung nicht immer der angenehmste. Um inneren Frieden zu spüren, müssen wir uns von unserer Komfortzone verabschieden und uns Selbst stellen. Das beängstigende dabei? Es ist eine Reise ins Ungewisse. Wir können nicht vorhersehen, wie lange sie gehen wird, nicht wie schwierig sie sein wird. Es kann ein Weg voller Stolpersteine werden, einer der sehr steil bergauf geht. Wir können in den Tiefen versinken oder schneller ankommen, als wir denken. Und da wir Menschen von sehr viel Ungeduld geplagt sind, wollen wir uns dem nicht stellen. Denn Ungewissheit bedeutet Angst und Angst wiederum Unbehagen.

Von Angst getrieben, sind wir viel leichter empfänglich für unser Ego. Und ehe wir uns versehen landen wir Arm in Arm mit ihm an einem großzügigen Buffet, füttern es Tag für Tag ganz liebevoll mit allerlei Speisen, damit es groß und stark wird. Ihr ahnt schon, was daraus entsteht: Nichts Gutes. Und so leben wir in einem ständigen Kreislauf und lassen uns tagtäglich von Angst übermannen, treffen Entscheidungen nur für den kurzen Moment, für ein Glücksgefühl, dass in unmittelbarer Nähe ist. Wir lassen uns vom Leben leiten, statt es selbst in die Hand zu nehmen. Vermutlich ist die Gewohnheit, die uns paralysiert vielleicht auch die Bequemlichkeit. “Ich hab noch Zeit dafür. Bin ja noch jung.”


Ja natürlich, klar. Nur nicht jetzt. Jetzt ist Zeit, um unsere wahren Gefühle zu benebeln. Später ist Zeit dafür. Vielleicht nächste Woche? Oh, jetzt wo ich meinen Kalender sehe, eher nächsten Monat.
Warum nicht gemeinsam ein Feuerwerk krachen lassen? Auf all die verlorenen Träume. Lass uns anstoßen auf eine Welt wie in der Truman Show, in der wir uns nur selbst verleugnen.

Ich will nicht lügen. Vor allem mich selbst nicht. Ich will auch nicht warten. Auf den perfekten Moment oder den passenden Augenblick. Denn er wird nie kommen – da bin ich mir sicher.
Denn statt mich mir Selbst zu stellen, würde ich nur vor mir weglaufen.
Mein Leben soll nicht den Bach hinunter plätschern, monoton, grau und eintönig.
Es soll nicht eingehen wie eine traurige Schnittblume. Was ich will, sind Wunder. Farben: Explosiv und bunt Tag für Tag. Zum Sonnenaufgang in Hawaii aufwachen und abends barfuß am Strand tanzen. Ich will den nassen Sand an meinen Füßen spüren und meinen ganzen Körper mit Meeresluft einatmen. Ich will mit meinem Liebsten am Lagerfeuer sitzen und mich an der Hitze erwärmen. Ich will von Menschen umgeben sein, die ich liebe. Ich will Lachen, von Herzen. Ich will schreiben – weil das für mich Erfüllung ist. Und eins will noch:
Ich will die Leere, die ich manchmal in mir habe, sehen, anerkennen und mit Liebe füllen.

Und was willst du?

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Text: 
Masha ist die Gründerin von Literaa Poetry und die bessere Hälfte von Pedro. 
Sie schreibt gerne Kolumnen und Lifestyle-Themen und kümmert sich um die Redaktion.
Lies hier mehr über Masha hier.

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