Soul Talk: Wie Berührung heilen kann

“Neben der Liebe auf den ersten Blick gibt es auch die Liebe auf die erste Berührung.
Und die geht vielleicht noch tiefer” Das behautet zumindest Vladimir Nabokov. Das Berührung besonders ist, wissen wir. Auch das sie Gänsehaut verursachen und magisch auf uns wirken kann, insbesondere wenn sie von unseren Liebsten kommt. Aber kann Berührung auch eine heilende Wirkung auf uns haben? Und ist Berührung sogar überlebenswichtig für uns?
Frau Dr. Böhme untersucht Berührung und körperliche Nähe in Schweden und konnte uns mehr davon erzählen.

Warum erforschen Sie genau das Fachgebiet: Berührung & körperliche Nähe? 

Zwischenmenschliche Berührungen sind unglaublich wichtig für uns, von frühester Kindheit an bis ins hohe Alter. Doch leider wird der Bereich der Berühung meist als nebensächlich abgetan, sowohl in der Gesellschaft als auch in der Forschung. So wissen wir beispielweise ganz wenig darüber, wie Menschen mit psychiatrischen Problemen Berühung wahrnehmen und verarbeiten. Das ist aber sehr wichtig, denke ich.

Warum ist körperliche Nähe so wichtig für uns? Was passiert dabei im Körper?

Der Mensch ist ein Kontaktwesen. Evolutionsbiologisch gesehen, weil unsere Herde für uns überlebenswichtig war: Wir benötigten die Nähe von anderen für Wärme, gleichzeitig war sie ein Zeichen von Sicherheit. Hinzu kommt, dass Berührungen unsere Beziehungen stärken, denn bei Berühungen mit unseren Liebsten wird Oxytocin ausgeschüttet, das sogenannte Bindehormon. Wenn wir regelmässig liebevolle Nähe erfahren, sind wir ausserdem weniger gestresst – dies lässt sich sogar anhand von geringeren Mengen des Stresshormons Cortisol im Körper nachweisen.  

Haben wir im Alltag verlernt uns richtig zu berühren?

Das ist sicherlich individuell unterschiedlich, und hängt ausserdem stark von der Situation ab, in der wir uns befinden. Doch allgemein würde ich schon sagen, dass wir uns zu wenig berühren. Meist sind diese Berührungen auch formell, wie ein Händeschütteln oder eine Umarmung zur Begrüssung. Wirklich herzliche, liebevolle und spontane Berühungen kommen leider eher selten vor. Am ehesten noch in unseren partnerschaftlichen Beziehungen und im Umgang mit unseren Kindern. Sie sollten jedoch auch in anderen Beziehungen Platz finden, in Freundschaften und im weiteren Familienkreis. 

Was ist das Geheimnis einer perfekten Berührung? 

Rein wissenschaftlich gesehen: Unsere Rezeptoren fürs Gestreichelt-Werden reagieren am besten auf eine Berührung mit ca. 32 Grad Celsius und einer Geschwindkeit von 3-8 cm pro Sekunde. Doch das müssen wir nicht trainieren, das können wir rein intuitiv. In der Praxis kommt natürlich noch viel mehr dazu: Es spielt eine Rolle, wer uns berührt, in welcher Umgebung wir uns befinden – und auch, in welcher Stimmung wir selbst sind. Manchmal wollen wir ja selbst von unserem Lieblingsmenschen einfach nicht angefasst werden. Und zuletzt haben wir alle unterschiedliche Vorlieben: Manche werden gern umarmt, andere lieben eine Fussmassage, wieder andere möchten gern sanft gestreichelt werden. Dieses Geheimnis der perfekten Berührung muss wohl jeder für sich selbst herausfinden.

Kann es jede Berührung sein? 

Es gibt eine Studie, die zeigt, dass sanftes Streicheln Effekte hat, die beispielsweise Kitzeln nicht auslösen kann. Was nicht bedeutet, dass Kitzeln nicht auch seinen Sinn hat, nämlich den von Spiel und Spaß miteinander. Besonders wichtig ist, dass beide, die berührende und die berührte Person, einander positiv zugewandt und offen sind, dass beide die Berühung wollen und genießen. 

Warum lösen liebevolle Worte weniger in uns aus als eine kurze Berührung?

Gesprochenes muss erst mal ausführlich im Gehirn verarbeitet werden, bevor wir überhaupt die Laute interpretiert und die Bedeutung verstanden haben. Zudem sind Worte oft uneindeutig, können unterschiedlich interpretiert und ausgelegt werden. Berührungen müssen nicht diesen langen Umweg über die Kognition nehmen. Natürlich denken wir oft im Nachhinein lange darüber nach, was eine bestimmte Berühung wohl bedeutet haben mag. Doch in dem Moment, in dem die Berührung geschieht, hat sie erst einmal einen direkten emotionalen Effekt auf uns. Das kennt jeder besonders von mehr oder weniger zufälligen Berührungen durch einen Menschen, in den wir verliebt sind. Das Bauchkitzeln spüren wir sofort – über die Bedeutung der Berühung sinnen wir dann noch lange nach. 

Read the article in English.

Dr. Rebecca Böhme erforscht Berührung und körperliche Nähe am Zentrum für soziale und affektive Neurowissenschaften in Schweden. In ihrem Buch Human Touch, beschreibt sie, die Wichtigkeit und die Widerstandsfähigkeit gegen Stress der zwischenmenschlichen Berührung.
Homepage
(Foto: Kai Bublitz)

Text: 
Masha ist die Gründerin von Literaa Poetry und die bessere Hälfte von Pedro. 
Sie schreibt gerne Kolumnen und Lifestyle-Themen und kümmert sich um die Redaktion.
Lies hier mehr über Masha hier.

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