Soul Talk: Hypnobirthing – Geburt ohne Schmerzen?

Eine Geburt ganz ohne Angst und Schmerzen. Unmöglich! Das ist zumindest was ich von meinem Umfeld höre. “Schmerzen, die ich vorher noch nie gehabt habe”, “Qualvoll”, “Schmerzhaft”.
Alles Begriffe, die in den Raum fallen. Zufällig stolpere ich über “Hypnobirthing”.
Ein Hypnoseprogramm, dass verspricht die Frauen sanft durch die Geburt zu begleiten. Auf den ersten Blick sehr spannend. Wenn man sich überlegt, durch so einen kostbaren Moment in Ruhe statt im Schmerz durchzugehen. Ich vermute, dass wir die Geburt dadurch ganz anders in Erinnerung behalten wird. Aber sind die Frauen dann wie in Trance und können sie sich dann noch überhaupt an die Geburt erinnern? Wir wollten unbedingt mehr erfahren und sprachen mit Franziska Olm, Kursleiterin von rundum Hypnobirthing.

Woher stammt HypnoBirthing und was ist es genau?

HypnoBirthing ist ein Geburtsvorbereitungsprogramm, das mittels Selbsthypnose eine sanfte, natürliche Geburt ermöglicht. Marie F. Monagan ist die Pionierin der sogenannten Geburtsmethode HypnoBirthing. Bei der Geburt ihres jüngsten Kindes wurde ihr es endlich möglich gemacht, natürlich zu gebären. Dies hat sie dazu motiviert, ihre gesamten Erfahrungen in ein Programm zusammenzufassen, die nun den Frauen eine sanfte Geburt ermöglichen.

1989 hat Marie F. Mongan die HypnoBirthingmethode in den USA ins Leben gerufen, mit der Vision, dass es jeder Frau möglich ist, mit Hilfe ihres Instinktes ihr Kind angenehm und mit Freude zur Welt zu bringen, wie es die Natur für sie vorgesehen hat. Viele Hebammen hierzulande arbeiten seit Jahrhunderten ähnlich, nur heiß ihre Arbeit nicht HypnoBirthing.
Sie hätten es wahrscheinlich natürliche Geburt genannt.

Was ist das Besondere daran?

Frauen beginnen sich wieder mit Geburt zu beschäftigen, sich mit dem Prozeß auseinanderzusetzen, sich vorzubereiten, es in die eigenen Hände zu nehmen. Das unterstützt die weibliche Kraft und das Bewusstsein darüber. Ich selbst gehe in meinen Kursen einen Schritt weiter, denn ich bin der Meinung, wir alle haben in unserem Leben bereits Erfahrungen gesammelt, die wir für die Geburt nutzen können. Diese Erfahrungen stehen nicht im Buch, sie sind die eigene, persönliche Lebensgeschichte. Daher ist Geburt und Geburtsvorbereitung sehr individuell. Die HypnoBirthingmethode unterstützt die Erfahrung sich selbst in tiefenentspannte Zustände bringen zu können, in eine Selbsthypnose. Das kann die Frau allein oder mit Unterstützung des Geburtsbegleiters, was meistens der werdende Papa ist. Auch er bekommt genaue Hilfe, wie er die Gebärende unterstützen kann, wenn sie es möchte.

Wie läuft das HypnoBirthing ab?

Ich empfehle das Buch zu lesen. Es klärt über vieles auf, aber Fragen über praktische Übungen bleiben offen. Auch ein Kurs ist sehr empfehlenswert. Für einen HypnoBirthingkurs sind vier mal drei Stunden vorgesehen. Sinnvoll ist es zwischen den Kursterminen Zeit zu haben, um den theoretischen und praktischen Kursinhalt zu verarbeiten. Bei mir im Kurs gibt es sogenannte Selbstforschungshausaufgaben. Klare Aufgaben, die die Frau oder das Paar zusammen zu Hause üben, um sich selbst, den Körper und die Psyche besser kennenzulernen. Übungen, die sich der Körper einverleibt, dass dann zwar die Geburt neu ist, aber nicht das, was zur Geburt angewandt wird. Denn die Übungen wurden im Kurs und zu Hause trainiert. Während der Geburt, weiß die Frau, wie sie sich dem Geburtsweg hingibt, wie sie atmet, sich bewegt. Sie ist fokussiert auf sich selbst und auf ihr Baby. Kann alles drumherum, was sie nicht braucht, was eventuell stört, ausblenden. Das ist das Hypnotische.

Oft ist das Erinnern aber nicht im Verstand abgespeichert, sondern, im Körpergedächtnis, im emotionalen Gedächtnis.

Wie kann man sich den Zustand vorstellen? Ist die Frau währenddessen noch anwesend oder ist es schon mal passiert, dass sie sich an die Geburt nicht erinnert?

Keine Frau verschläft ihre Geburt. Die HypnoBirthingfrau kann sich sehr gut erinnern. Oft ist das Erinnern aber nicht im Verstand abgespeichert, sondern, im Körpergedächtnis, im emotionalen Gedächtnis. Deshalb ist es nicht egal, wie wir gebären und wie unser Baby auf die Welt kommt. Es ist sinnvoll sich für diese Prägung, für diese Eindrücke gut vorzubereiten und eine Richtung zu wählen. Der Mensch kann vieles, wenn er es will. Die Frau ist für mich ohnehin das wirklich starke Geschlecht. Zuspruch unterstützt sie darin an ihre weiblichen Kraft zu glauben und diese während des Geburtsprozesses anzuwenden. Das ist oft eine Erfahrung, die die Frau ihr weiteres Leben prägt.

Ich sehe uns als großes verschwesterndes Netzwerk.

Was ist der Unterschied zu einer normalen Geburt?

Der Unterschied beginnt bereits in der Ausrichtung, im bewusst machen der Geburtssprache, die uns umgibt. Keine Frau freut sich auf ihre Geburt, wenn sie an Wehen denkt. Frauen können sich der Geburt aber öffnen, wenn sie an Wellen denken. Da werden andere Assoziationen frei. Neue Kräfte werden frei. Geburtsbilder werden anders belegt. Die Wellen, die Phasen einer Geburt sind schwächer oder stärker. Wie ein Fluss auf den ich mich einlasse.

Die HypnoBirthingfrauen kennen die Phasen der Geburt sehr gut, wissen, was sie in den einzelnen Phasen machen können, um bei sich zu bleiben, sich auf ihren Körper zu fokussieren, um ihre Gebärmutter arbeiten zu lassen. HypnoBirthing arbeitet mit Affirmationen, positiven Gedankenausrichtungen. Eine davon ist: „Ich überlasse das gebären meiner Gebärmutter, meinem Körper.“ Geburt als gesunden, natürlich, biologischen Prozess zu sehen ist bedeutend, auch wenn die meisten Frauen modern traditionell ins Krankenhaus gehen. Aber auch das ist den HypnoBirthingfrauen bewusst, und sie sind bestens vorbereitet auf Erfahrungen, die im Krankenhaus auf sie zukommen können. Sie sind selbstbestimmt, sind in Selbsthypnose, können in Trance bei sich bleiben oder haben die Fähigkeit in diesen Zustand zurückzukehren.

So wie das Baby mit Lust in unseren Körper kam, kann es ihn wieder verlassen.

Was ist die Deine Aufgabe hierbei?

Meine Aufgabe als zertifizierte Kursleiterin für HypnoBirthing ist ganz klar der zukünftig Gebärenden das Vertrauen in sich selbst zu verankern und ganz groß werden zu lassen. Diese Arbeit erfordert Erfahrung und sehr gute Menschenkenntnis. Ich zeige in meinen geburtsvorbereitenden Kursen wie Atmung die Geburt unterstützt, wie Visualisierungen helfen entspannt zu bleiben, das die Gebärmutter aus sich selbst heraus arbeiten kann, wie der Körper für die einzelnen Geburtsphasen zu lesen ist und gekonnt mit aller weiblichen Kraft und Hingabe eingesetzt werden kann. Am Ende der Kurse lasse ich selbst los und gebäre die Frauen in ihre Geburtserfahrungen. Ab und zu komme ich auch zu Geburten mit und begleite die Frau. Ich sehe uns als großes verschwesterndes Netzwerk. Ich mache mir auch keinen Hehl daraus, dass Geburt ganz viel mit Sexualität zu tun hat. So wie das Baby mit Lust in unseren Körper kam, kann es ihn wieder verlassen.

Wie ist die Erfolgsquote?

Es gibt aktuell keine empirische Studie über die Erfolgsquote. Ich schätze, das wird auch nicht angelegt. Dann käme raus, dass wir Frauen aus eigener Kraft heraus gebären können, wenn wir uns unserer Kraft stellen. Mein Feedback ist überwiegend positiv. Die Tendenz zeigt, dass die Frauen kurze Geburtprozesse entwickeln. Die Eröffnungsphase (die längste Phase der Geburt) kann mit HypnoBirthing deutlich kürzer gehen. Dadurch hat die Gebärende gut Kraft für die eigentliche Geburt, wenn ihr Baby sichtbar, und in das Element Luft geboren wird. 

Warum denkst Du, ist HypnoBirthing noch nicht in der Gesellschaft etabliert?

Die Frage ist, warum HypnoBirthing nicht im Geburtsmanagement etabliert ist? Solange Geburt ein wirtschaftliches Unternehmen ist, was sich an Effizienz misst, bleibt HypnoBirthing Pionierarbeit. Siehe oben. Die Frauen gebären eventuell kürzer und brauchen wenige, oft keine, geburtsunterstützende Medikamente und Eingriffe. Wer verdient somit kein Geld? Wenn wir weiterdenken, ist die Frage, warum es Frauen in Deutschland so schwer gemacht wird ihre liebste Geburtsform für sich frei wählen zu können. Frei, nach Bauchgefühl, im wahrsten Sinne des Wortes. Wo möchte ich gebären (Hausgeburt, Geburtshaus, Krankenhaus, mit wem möchte ich gebären? Frauen in Deutschland müssen sich im ersten Schwangerschaftstrimenon entschieden habe, am besten sofort, wenn sie die Schwangerschaft feststellen.

Ansonsten ist es nahezu unmöglich eine Beleghebamme zu finden oder einen Platz im Geburtshaus. Sehr viele Frauen beschreiben diese Situation als Zumutung. Ich empfinde es als Einschränkung ins Persönlichkeitsrecht. Wichtig ist doch, dass die Frau wählt, einen passenden Ort für die Geburt, welche ein intimer Prozess ist, wo sie sich geschützt fühlt, wo und mit wem sie sich wohl fühlt. Wichtig ist das Bauchgefühl zu unterstützen, dass in der Hochschwangerschaft am ausgeprägtesten ist. HypnoBirthing kann durch die Selbsthypnose dazu beitragen, dass die Frau überall gebären kann. 

Wo findet man HypnoBirthing?

HypnoBirthing ist mittlerweile in vielen Städten und Ländern angekommen. Kursleiterinnen sind online zu finden. Ich würde immer darauf achten das die Kursleiterinnen durch die HypnoBirthingsgesellschaft Europa oder das HypnoBirthing Institut Amerika zertifiziert sind. Ich würde empfehlen sich rechtzeitig anzumelden, meine Kurse sind z.B sind oft schnell ausgebucht. Dadurch, dass HypnoBirthing Pionierarbeit ist, wird es privat gezahlt. Es lohnt sich.

Wir danken Franziska für das tolle Interview!

Franziska Olm ist Mutter zweier Hausgeburtskinder und seit 2011 zertifizierte Kursleiterin für HypnoBirthing. Ihre Berufung zum Thema Frau sein und Geburt entstand durch Franziska`s erste eigene Geburt. Sie hat schnell bemerkt, dass sie anderen Frauen, einfühlsam, bildhaft erklärt, für Geburt begeistern kann. Gruppenkurse & Einzelkurse finden in vertrauensvoller Runde überwiegend in Berlin statt. Bei Franziska können zudem Schwangerschaftsmassagen gebucht werden.
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