Thinkpiece: Vom Märchen der Angst

ie kann nicht atmen. Versucht nach Luft zu schnappen. Ein Seil schnürt sich um ihre Kehle. Sie versucht sich loszulösen. Mit jedem Atemzug fühlt sie die Enge. Der Puls bleibt stehen, wenn er sie berührt. Millionen von Insekten, die krabbeln, kriechen und sich in auf ihrem Körper verbreiten. Wenn er langsam über ihre Schulter streicht,…

Fiction: Goldene Steppen Kapitel 1

ICH WAR NIE BESONDERS GUT IN ABSCHIEDEN Ich spürte immer einen bitteren Nachgeschmack, wenn ich Jemanden sah, von dem ich gerne ging. Nicht etwa, weil ich sie vermissen würde, sondern weil ich von Zeit zu Zeit auf Trauer stieß. Es war, weil ich nie ausdrücken konnte, wie sehr ich mich für sie interessierte. Es war…

Thoughts: Verschütteter Wein

Wie viele meiner Gedanken sind nur verschütteter Wein? Versprechungen für eine leere Zukunft, die nur zu Flecken wurden. Sie werden immer da sein, um mich daran zu erinnern, wer ich war und welches Leben ich damals angestrebt habe. Sie kommen aus einer Zeit, in der ich immer daran dachte, wie viel ich bereits erreicht hatte….

Thoughts: Ich bin naiv und das ist gut so

“Bei dem Wort Liebe fangen meine Augen an zu glühen.” Ich bin naiv. Sogar sehr. Früher ist das nicht so aufgefallen, da konnte ich das noch auf mein Alter schieben. Da war es noch gerechtfertigt. Kindlicher Leichtsinn halt. „Ja gut, sie ist ja noch 17, sie lernt das schon noch“, haben sie damals gesagt. Mittlerweile…

Ferner, denn je

Und eines Tages werden wir uns wiedersehen. Es werden etliche Jahre vergehen und wir werden gealtert sein. Ich werde dein faltiges Gesicht ansehen und mich fragen, ob deine Narben schon geheilt sind. Meine sind es bis dahin. Lange wollten sie nicht zuheilen. Weil ich sie nicht zuheilen ließ.

Affenzirkus

Ich reise mit leichtem Gepäck. Alles, was ich tragen will, ist mein eigenes Gewicht. All das, was ich mitbringen konnte, würde meinen Rücken krümmen und mich daran hindern, geradeaus zu schauen. Ein weiterer Grund ist die Zeit. Ich bin zu aufgeregt, um meine Transformation zu beginnen, um mir Sorgen um alltägliche Dinge zu machen, z.B….

Fiction: Die im See Verlorenen

Das Wasser ist jetzt still. Der Sturm von gestern Abend hat Hunderte von verlorenen Seelen kilometerweit herumfliegen lassen. Einige schauen in die Sonne, als ob sie ihn verzweifelt bitten würden, Leben in ihre kalten, blassen Körper zurückzubringen. Hundert Schiffe segeln dazwischen. Sie verachten jeden einzelnen Ertrunkenen und fürchten das Lied der Meerjungfrau. Wir könnten es…

Fiction: Oscars Tag Teil II

Mit jedem Besuch alterte sie immer mehr, mit jenem Mal verließ sie auch die Schönheit. Ihre Augen waren rot angelaufen und glänzend, wenn sie ihm Gegenüber saß. Er wusste, dass es seinetwegen war und auch das es nicht das Einzige Mal war wo er sie zum weinen gebracht hat. Als er sie damals heiratete liebte…

Thoughts: In the middle of nowhere – Warum sind wir so lost?

„Ich weiß noch nicht, was ich machen möchte.“ Das ist einer der häufigsten Sätze, die ich in Berlin höre, wenn es um Partnerschaften, den Beruf oder ums Leben geht. „Vielleicht ist es besser, wenn wir gucken, wohin es läuft, was sich ergibt. Schauen wir mal.“ Das klingt plausibel: Dinge geschehen und auf sich zukommen zu…

Fiction: Oscars Tag Teil I

Kurzes Vorwort: Ich liebe Oscar Wilde. Und eine zeit lang habe seine gesamte Biografie gelesen, seine Bücher gelesen und ihn als Person schon fast verschlungen. Das ist eine kleine Geschichte zu ihm, aus meiner Perspektive. Ein Monolog aus der Zeit im Gefängnis.