Thinkpiece: Vom Märchen der Angst

ie kann nicht atmen. Versucht nach Luft zu schnappen. Ein Seil schnürt sich um ihre Kehle. Sie versucht sich loszulösen. Mit jedem Atemzug fühlt sie die Enge. Der Puls bleibt stehen, wenn er sie berührt. Millionen von Insekten, die krabbeln, kriechen und sich in auf ihrem Körper verbreiten. Wenn er langsam über ihre Schulter streicht, zuckt jedes ihrer Glieder zusammen.

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Fiction: Eine Freundschaft

Du sagtest du wolltest noch so viele Sommer mit mir verbringen.
Du wolltest noch so viel mehr sehen.
„Die Welt, die Ferne.“ Sagtest du.
Mit mir.
Du wolltest den salzigen Geschmack des Ozeans schmecken,
baden im Meer der Gefühle.
Du wolltest fliehen vor der Realität,
überall sein, nur nicht mit dir Selbst.
„Also lass uns gehen, sofort!“
Schriest du. Du warst schon immer eine Faszination für mich.
Faszinierend schön und gefährlich.

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Fiction: Marmor Träume


Etwas, an das ich mich am meisten erinnere, ist die Sonne.
Am schönsten ist es, wenn wir das Licht durch die weißen Marmorwände reflektieren sehen, zwischen ihnen hin und her hüpfen, als wäre es ein Tanz aus Licht und Lebe. Wie eine Ode an die Toten, die zuerst sahen, wie schön sie sein konnten. Die Tausenden von Spatzen und Stare durchdrangen das Diamantenlicht und ignorierten uns einfache Kreaturen, die auf den Straßen standen. Was können wir schon wissen? Wir konnten nicht einmal spüren, wie die Luft unsere Federn durchdrang, die Sonne, die uns die uns die Richtung aufzeigte.

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Thoughts: Damals als wir Träume hatten

Witzig wie naiv wir waren. Wir hatten Träume, Ziele, Pläne. Waren so überzeugt davon. Mit dem VW Bus eine Weltreise. Nur mit Zelt und Rucksack. Unabhängig sein, Freiheit leben – in den Tag hinein. Wollten trampen, wenn das Geld knapp wird, ein Zelt aufschlagen irgendwo in Nirgendwo. Wir beide für die Ewigkeit. So sicher. Continue reading “Thoughts: Damals als wir Träume hatten”

Fiction: Entzug

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Trüb meine Tage, nebelig mein Verstand. Verdunstet mein Ich. Verschmolzen zu Dir.  Wir zwei – eins gemeinsam: Unsere Leere.
Ich kannte keinen Atem, denn es war deiner.
Keine Bewegung, denn du liefst.
Jedes deiner Worte durchdrungen in meinen Körper. Jede Betäubung verwachsen in meine Haut.

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Thoughts: Verschütteter Wein

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Wie viele meiner Gedanken sind nur verschütteter Wein? Versprechungen für eine leere Zukunft, die nur zu Flecken wurden. Sie werden immer da sein, um mich daran zu erinnern, wer ich war und welches Leben ich damals angestrebt habe. Sie kommen aus einer Zeit, in der ich immer daran dachte, wie viel ich bereits erreicht hatte. Mein junger Verstand konnte nicht zusammenbrechen, das Glück war immer durch das Versprechen der Zeit präsent. Ich sah die kommenden Tage wie Sternbilder hoch oben am Nachthimmel.
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Thoughts: Ich bin alleine aber nicht einsam

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Kurzes Vorwort: Dieser Artikel wurde vor 2 Jahren in einem Online-Magazin veröffentlicht, zu einer Zeit, als ich Single war 😉 Vielleicht helfen dir diese Worte,
ermutigen oder motivieren dich. Das ist die Hauptsache für uns!
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Ferner, denn je

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Und eines Tages werden wir uns wiedersehen.
Es werden etliche Jahre vergehen und wir werden gealtert sein.

Ich werde dein faltiges Gesicht ansehen und mich fragen, ob deine Narben schon geheilt sind. Meine sind es bis dahin. Lange wollten sie nicht zuheilen.
Weil ich sie nicht zuheilen ließ.

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Affenzirkus

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Ich reise mit leichtem Gepäck. Alles, was ich tragen will, ist mein eigenes Gewicht. All das, was ich mitbringen konnte, würde meinen Rücken krümmen und mich daran hindern, geradeaus zu schauen. Ein weiterer Grund ist die Zeit. Ich bin zu aufgeregt, um meine Transformation zu beginnen, um mir Sorgen um alltägliche Dinge zu machen, z.B. welche Kleidung ich tragen soll oder ob ich eine bestimmte Art von Essen zu essen habe. Lass mich einfach laufen. Ich will jetzt dorthin. Diese Stadt ist ein Spielplatz und ich fühle mich wie das neue Kind in der Schule.

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Fiction: Die im See Verlorenen

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Das Wasser ist jetzt still. Der Sturm von gestern Abend hat Hunderte von verlorenen Seelen kilometerweit herumfliegen lassen. Einige schauen in die Sonne, als ob sie ihn verzweifelt bitten würden, Leben in ihre kalten, blassen Körper zurückzubringen. Hundert Schiffe segeln dazwischen. Sie verachten jeden einzelnen Ertrunkenen und fürchten das Lied der Meerjungfrau. Wir könnten es sein, denken sie. Continue reading “Fiction: Die im See Verlorenen”