Gestrandete Seelen

 „Ich bin seit 10 Jahren hier.“
Sagt er und nippt an seinem Bier. Wie kommts?“ Frage ich mit einem Lächeln.
„Ich weiß nicht. Ich war am reisen und bin hier irgendwie stecken geblieben. Und nun sind es 10 Jahre.“ Er lacht und schaut verlegen in die Weite. Man sah ihm die 10 Jahre durchaus am Körper an. Er war sowohl gealtert aber auch jung geblieben. Braun gebrannt aber voller sichtbarer Narben. Jede Narbe, eine eigene Geschichte. Jede Geschichte mit ihren unverheilten Wunden. Er wollte jünger rüberkommen, als er war. Stärker, als er je sein würde. Wir schweigen kurz.
Mein Blick wandert auch über den Strand. Ich verlor mich in der Tiefe. 

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Frühling des Lebens Kapitel IV

Lieben heißt loslassen. Wir sind nur so frei, wie es unsere Vorstellungskraft es auch zulässt. All diese klischeehaften Gedanken gingen mir durch den Kopf. Nach dieser Nacht zweifelte ich alles an. Ich hätte schwören können, dass in mir etwas zerfallen ist. Es war ein Gewicht, das von mir abfiel. Ich kannte es nicht, so leicht zu leben. Grenzenlos. Bei jedem Schritt, den ich machte, fühlte ich, dass ich in einen Abgrund fallen würde. Es war berauschend und furchterregend.

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Blüte der Zeit Kapitel III

Ich war immer anderer Meinung als mein Herz. Es zog immer zu den dunklen Enden meines Geistes, wo das Unmögliche mich von der Stille des mich umgebenden Lebens fern hielt. Immer benehmende Kreaturen, so kontrolliert und gerade. Misshandlung und Fehlverhalten der Wahrheit. Die Welt braucht mehr als die Dinge, die sie bisher hatte. Veränderung sollte das oberste Ziel für uns sein.

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Blüte der Zeit Kapitel II

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Prokrastination: In einer Traumwelt gefangen zu sein, die uns daran hindert, unsere Träume in ihrer Echtheit zu leben. Mein bisheriges Leben war ein stetiger Monochord-Rhythmus, zwei Akkorde, die sich Tag und Nacht wiederholen. Immer denke ich daran, wie das Lied weitergehen würde. Als ich mich an diesem Frühlingsnachmittag umdrehte, um sie anzusehen, hörte ich die Saiten brechen, keine Musik mehr. Nichts mehr. Mein Körper wurde völlig taub. 

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Marmor Träume


Etwas, an das ich mich am meisten erinnere, ist die Sonne.
Am schönsten ist es, wenn wir das Licht durch die weißen Marmorwände reflektieren sehen, zwischen ihnen hin und her hüpfen, als wäre es ein Tanz aus Licht und Lebe. Wie eine Ode an die Toten, die zuerst sahen, wie schön sie sein konnten. Die Tausenden von Spatzen und Stare durchdrangen das Diamantenlicht und ignorierten uns einfache Kreaturen, die auf den Straßen standen. Was können wir schon wissen? Wir konnten nicht einmal spüren, wie die Luft unsere Federn durchdrang, die Sonne, die uns die uns die Richtung aufzeigte.

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